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Wochenbericht – 4. Woche

Es ist kaum zu fassen, das ist schon der vierte Wochenbericht und der erste Monat ist vorbei. Was für eine aufregende Zeit. Die meiste Zeit beschäftige ich mich zwar mit Muay Thai, aber auch der Lebensstil hier hat mich infiziert. Gelassenheit, Freundlichkeit und Gastfreundschaft begegnen mir hier jeden Tag. In welchem Land hält mitten auf dem Expressway jemand an und fragt beim Joggen wie es dir geht und wo du Muay Thai machst. Ich fürchte mich schon vor dem Tag an dem ich wieder in den Flieger steige und vorerst Lebewohl sagen muss.

So langsam kommt etwas wie Normalität rein und ich kann mich beim Training ganz auf die Ausbildung meines Stils konzentrieren. In der ersten Woche habe ich die meiste Zeit mit dem Klima gekämpft und kaum Leistung zeigen können. Zusammen mit der zweiten Woche hatte ich beide Wochen mit dem System von Master Toddy zu kämpfen und musste lernen mich umzustellen. Als es erste Erfolge gab, ging der Zug nach Chiang Mai. Hier angekommen wurde mir sofort aufgetragen Einiges von Master Toddys System zu vergessen und meinen Stil erneut anzupassen. Aber die Zeit der Anpassungen ist jetzt vorbei. Ich bin im Lanna Gym angekommen und ich hab mich mit den Umstellungen arrangiert. Nun arbeite ich daran lockerer und flüssiger zu werden. Mit Robin habe ich einen verlässlichen Padholder, der mir eine wahre Schatztruhe an Tipps und Tricks mitteilt bzw. zeigt. Auch er hat sich auf mich eingestellt und hilft mir Knie und Ellbogen in Kombinationen einzubauen. Nueng, WBC Boxchampion, ist für´s Boxen ein toller Lehrmeister, auch wenn wir starke Kommunikationsprobleme haben. Er spricht fast kein Wort Englisch und ich bin beim Vorzeigen öfters mal schwer von Begriff. Ich mag es die gewünschten Techniken mit Worten erklärt zu bekommen, beim Vorzeigen ohne Erklärung tue ich mich öfters mal schwerer. Mit Tony Manohara habe ich einen Gleichgesinnten kennengelernt und ich profitiere von seiner Erfahrung im Ring und als Coach. Nächste Woche geht es mit ihm und Tor auf einen Kurztrip nach Bangkok zum Eminent Air Gym und wir besuchen eine der besten Shows des Jahres im Rajadamnern Stadion. Ich hätte mir nie erträumt, Namen wie Superlek, Yodwicha, Petchboonchoo, Sam-A und Pornsanae live im Ring zu sehen. Einen ausführlichen Bericht zur Show, zum Stadion und zum Eminent Air natürlich hier auf NakMuay.de

Back to the Basics.

So lautet das Motto der Woche. Was nützt die beste und schönste Technik, wenn ich nicht die nötige Fußarbeit beherrsche, um an den Gegner ran und wieder weg zu kommen? Ein Faktor, der beim Training in Dresden immer zu kurz gekommen ist. Zwar haben wir die Techniken gut und sauber erlernt, doch viel zu selten kamen sie zur Anwendung. Doch auch in anderen Bereichen habe ich mich diese Woche auf einzelne Techniken konzentriert, die zu den Grundlagen gehören. Mein Schattenboxen war diese Woche gekennzeichnet von Konzentration und Bewegungsarbeit. Wer denkt, dass man sich beim Muay Thai nur gegenüber steht und Attacken austauscht, der irrt gewaltig. Ich lerne hier viel über das Ausweichen und Meiden. Der Hauptteil davon baut auf guter Beinarbeit auf.

Wenn ich mich auf die Füße und die Bewegungsabläufe konzentrierte, litt mein Fokus. Robin hat mir gezeigt wie ich auf dem Reifen die Beinarbeit verbessern kann. Auf einem Reifen, der etwas größer als ein Autoreifen ist, habe ich für 10 Min die Auslage gewechselt. Die Augen sind bei dieser Übung geradeaus und es ist untersagt nach unten zu sehen. Man lernt die Beine blind zu kontrollieren. Während der Übung wird die Deckung weit oben gehalten. Ich nehme dafür die Zeige- und Mittelfinger und lege sie an die Schläfe. Maggie hat gesagt, dass ich dabei aussehe, als würde ich nachdenken. Doch das stimmt nicht. Ich versuche den Reifen neben mir mit meinen Jedikräften anzuheben. Lieder gelingt es mir bisher nicht. Es werden wohl noch viele Minuten auf dem Reifen vergehen.

Ich hoffe zu den Basics einige spezifischere Artikel schreiben zu können. Doch noch brauche ich viel Schlaf und finde nicht immer die Konzentration einen ganzen Artikel zu schreiben. Also noch etwas Geduld.

Viel hilft viel? Mitnichten!

Zuhause in Deutschland hat meine Mutter immer einen Spruch auf Lager, wenn ich mal eine kleinere Verletzung oder Beschwerde hatte. „Zu viel und zu wing sind ein Ding“. Worum es dabei geht dürfte klar sein. Diese Woche hatte ich beim Sparring das Gefühl, dass es etwas zu viel wird. Das Clinchen mit einem Engländer ist nach wenigen Sekunden eskaliert und es schien, als wäre es  sein Ziel meine Rippen zu brechen. Selbst als eine Reihe von Hinweisen kein Einsehen seinerseits zur Folge hatte, habe ich das Clinchen beendet. Beim Sparring mit einem Syrer habe ich seine harten Schläge einfach durch Leichtigkeit und eine hohe Workrate gekontert. Aus einem Grund, den er mir nicht erklären konnte, wollte er am rechten Bein keine Schoner tragen, was ihn aber trotzdem nicht davon abgehalten hart zu kicken.

Lauf Baby lauf.

Das Laufen vor den Trainingseinheiten ist jetzt fest in meinem Trainingsplan und ich fühle mich schlecht, wenn ich eine Einheit auslasse. Es ist schwer zu erklären, aber es kann sein, dass ich solche kleinen Herausforderungen brauche, um beständig zu bleiben. Daher laufe ich immer mit meinem Trackingprogramm und werte die Läufe später aus. Entfernung, Dauer und Geschwindigkeit werden festgehalten. Während des Laufens, gibt mit das Programm die Gesamtzeiten für Lauf und pro einzelnen Kilometer durch. Mit dieser kleinen Hilfe versuche ich immer einen neuen „Erfolg“ zu erlaufen. Doch die hohen Temperaturen am Nachmittag machen die Läufe zur Quälerei und besondere Leistungen sind nicht zu erwarten. Wie soll es auch anders sein, nach 3h Training am Morgen und 35° im Schatten? Trotz der Umstände versuche ich jeden Tag meine zwei Runden zu laufen und bin froh, wenn es vor dem Training einen, für die Regenzeit üblichen, starken aber kurzen Schauer gibt.


Das Laufen ist es, was die Beine und besonders die Oberschenkel hart macht und für einen Kampf vorbereitet. Willst du kämpfen, musst du laufen! Meine Laufpartner nutzen besondere Schuhe, die das Laufen auf dem vorderen Fuß ermöglichen und die Oberschenkel besser ansprechen. Meine Asics sind nicht dafür gemacht und ich muss mit der Abrollmethode laufen. Die größte Schuhgröße, die mir hier untergekommen ist, war 45. Reicht nicht, Damn!

Fazit

Eine gute Woche, die wieder Steigerung gebracht hat. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass man nicht auf der Stelle steht. Mit 9 von 12 Einheiten bin ich zufrieden. Ich hoffe die nächste Woche mehr Clinch und Sparring zu haben. Das kam diese Woche zu kurz. Die nächste Woche muss ich auch wieder vermehrt Kraftübungen ins Training einbauen. Auch das kam die Woche zu kurz. Das Gewicht geht langsam nach unten. Ich bin mit 94kg nach Thailand gekommen und stand am Samstag mit 87,5kg auf der Waage. Ich bin mit der Differenz zufrieden und hoffe jetzt noch weiter runter zu kommen. Das Traumziel von 79-81Kg ist noch weit entfernt. Die ersten Kämpfe werden mit Sicherheit in höheren Gewichtsklassen ausgetragen.

Wer bis hier hin gelesen hat, dem sei mein größter Dank ausgesprochen. Wer mich in Thailand unterstützen möchte, der klickt einfach auf ein paar der Werbebanner dieser Seite. Nur ein paar Klicks sorgen dafür, dass ich hier ein Essen auf dem Tisch habe. Danke!!! Zu guter Letzt habe ich die Woche Videos gedreht. Viel Spaß beim Ansehen.

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