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Im Herz des Muay Thai – das Rajadamnern Stadion

Zum Besuch im Herz des Muay Thais

Mein Kurztrip nach Bangkok endete mit dem Besuch des legendären Rajadamnern Stadion und einer der besten Shows des Jahres, mit Namen wie Yodwicha, Petchboonchu, Sam-A, Superlek und Pornsanae war die Erwartungshaltung immens. Für die beiden Erstgenannten, ging es um den vakanten „140 Pfund-Stadiontitel“. Von unserem Hotel zum Stadion war es nur eine kurze Taxifahrt und wir hatten noch Zeit, die wir im Twinsshop am Stadion und mit Ausschau nach den Superstars verbrachten. Die Preise für solche Events sind für Farangs, also Menschen aus westlichen Ländern, wesentlich teurer als für Thais. Diese Plätze sind natürlich besser als die Rangplätze und schaffen eine ungeahnte Nähe zu den Kämpfern. Durch unsere thailändische Begleitung und Absprachen mit seinem Promoter konnten wir die besten Tickets des Abends vergünstigt bekommen. Sitzplätze in der zweiten Reihe, in diesem Stadion und diesem Abend dürfen gern etwas kosten. Also haben wir die ca. 50€ in irgendwelche Hände gereicht und wurden zu unseren Plätzen geführt.

Das Stadion

Wir betreten das Stadion durch den Eingang für die Ringsideplätze. Sofort lasse ich meinen Blick schweifen und ich kann förmlich fühlen, dass hier schon Muay Thai Geschichte geschrieben wurde. Das Stadion lässt sich in drei Ebenen einteilen. Die Ringside-, die Sitzplatz- und die Stehplatzebene, die sich Kreisrund um den Ring aufteilen. Die zwei oberen Ebenen sind sehr steil angelegt und sorgen für eine grandiose Atmosphäre. In der Mitte des Rundes befindet sich ein großer Ring, umgeben von wenigen Sitzplätzen der Ringsidekategorie. Nach ein paar Stufen erreicht man die weiteren Sitzplätze, welche aus Hartschalensitzen, wie man sie auch in Fußballstadien findet, bestehen. Noch weiter außen und oben gelegen befinden sich die Stehplätze. Diese sind mit einem unüberwindlichen Zaun abgetrennt. Der Bereich der Stehplätze ist auch der günstigste Bereich und für die meisten Thais erschwinglich.
Ein Wai Khru der in Erinnerung bleibt
Wie bei fast allen Veranstaltungen in den Stadien Thailands gibt es keine Showeinlagen oder besondere Ankündigungen. Kämpfen bedeutet hier Wettkampf. Tanzende Frauen, unfassbare Lichttechnik oder ballernde Musik sucht man vergeblich. Die Kämpfer gehen mit ihren Teams schlicht durch die Menge. Kurz nach dem beide Kämpfer im Ring stehen, spielt die Musik auf und er Wai Khru beginnt. In Deutschland kennt man nur wenige Formen des Wai Khru und oft wird er komplett weggelassen. Hier im Stadion wird dieser Teil des Kampfes ausgiebig zelebriert. Jeder Kämpfer hat seinen eigenen Stil und die Musik reagiert auf die Tanzenden. Die Vorstellung kann mehrere Minuten in Anspruch nehmen. Sam-A zeigt an diesem Abend einen wunderbaren Wai Khru. Wenn man ihm zusieht, dann hat man das Gefühl nur sein Körper wäre vor Ort. Sein Geist scheint in anderen Sphären zu schweben. Er lässt sich unheimlich viel Zeit und trotzdem schaut die Halle gespannt auf ihn. Ich schätze er nimmt sich fünf Minuten nur für den Tanz, der auch Ram Muay genannt wird. Am Ende des Tanzes klatscht die ganze Menge. Während in Deutschland der Wai Khru oft als notwendiges Übel angesehen wird, ist er hier fester Bestandteil und wird bejubelt. Welche Unterschiede zwischen diesem Muay Thai hier und in dem in der Heimat klaffen!
Die Kämpfe
Da es sich um eine große Veranstaltung zweier bekannter Promoter Bangkoks handelt, ist das Stadion gut gefüllt und die Stimmung bei allen Kämpfen gut. Es stehen große Namen im Ring und das will sich niemand entgehen lassen. Der Abend beginnt mit einem Kampf in der 50 Kg-Klasse. Die ersten Kämpfe, sind meist in den ganz leichten Gewichtsklassen 45-50 Kg und finden weniger Beachtung. Ebenso verhält es sich beim letzten Kampf, welchen man schon mal „Walkoutfight“ nennt. Die Kampfdistanz geht über fünf Runden a drei Minuten mit einer langen zweiminütigen Pause. Mein Begleiter Tor ist großer Fan von Superlek und nur wegen seinem Kampf mitgekommen. Leider ist der Kampf von ihm vorbei bevor es richtig angefangen hat. Er bricht seinem Gegner in der zweiten Runde den Kiefer. Zwar tritt der Gegner die dritte Runde noch an, doch nach wenigen Sekunden wird der Kampf abgebrochen. Ich bewundere Sam-A und werde an diesem Abend bitter enttäuscht. Er fängt sich in der dritten Runde einen Highkick zum Kiefer ein und geht schwer KO. Er liegt noch nicht lange am Boden, da wird eine Trage in den Ring geschafft und Sam-A am Hosenbund auf eben diese verbracht. Es vergehen nur wenige Minuten, dann ist der Ring frei für den nächsten Kampf.
Der folgende Kampf hat es in sich. Beide Kämpfer schenken sich nichts und werden von der Menge frenetisch gefeiert. Zum Ende der dritten Runde bekommt der Favorit des Kampfes eine Wettbeteiligung von einem der alten Herren im Stadion übermittelt. Die vierte Runde macht er dann den Sack zu und sammelt die Punkte die er braucht. Der Einfluss der Wettenden ist stark und sorgt dafür, dass sich die Kämpfe dem Wettgeschehen anpassen. Der eben beschriebene Favorit, läuft nach dem Kampf zum Wettpaten und verbeugt sich vor ihm. Dann erhält er vor Ort seinen Anteil. Für ihn ist es ein wichtiges Zubrot, für den Sport eher unschön.
An vorletzter Stelle steht der Hauptkampf des Abends, zwischen Yodwicha und Petchboonchu. Beide Sportler sind für ihre Fähigkeiten im Clinch bekannt und haben sich bei ihrem letzten Treffen mit einem Unentschieden getrennt. Der Kampf beginnt sofort intensiv, das gewohnte Abtasten der ersten Runden entfällt. Ab der dritten Runde entwickelt sich das erwartet Duell der besten Clincher. Da Bilder mehr als 1000 Worte sagen, gibt es hier das Video zum Kampf:

Mehr Muay Thai geht nicht

Dieser Ausflug hat sich tief in meine Erinnerung begraben und ich werde noch Jahre davon zehren. Das ehrwürdige Rajadamnern hat schon unzähligen NakMuays eine Bühne geboten. Ich hatte die Möglichkeit in fast alle Bereiche des Stadions vorzudringen und den Wettkämpfern bei ihren Vorbereitungen über die Schulter schauen. Ich habe das Stadion nur ungern verlassen, aber für uns stand noch der Weg zum Hotel an und dieser Tage herrscht Ausgangssperre ab 24Uhr. Thailand du bist so anders!

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